Dystopie,  Rezension

Das Brennen der Stille-Goldenes Schweigen

Handlung:

Die Menschheit hätte sich durch den Klimawandel beinahe selbst ausgelöscht und inzwischen ist die ganze Welt eine einzige Wüste. Jedes gesprochene Wort erscheint von nun an als Narbe auf der Haut. Der Grund: Die Narben sind Gottes Strafe für die Lügen und Sünden der vorhergegangenen Gesellschaft. Eine einheitliche Religion ist entstanden, die auf dem „Heiligen Wort“ basiert. Die Kirche ist gleichzeitig die Regierung, die davon überzeugt ist, dass sie ohne Wörter auf der Haut rein und frei von Sünden ist. Die sprechende Bevölkerung dagegen wird verabscheut und unterdrückt.

Olive ist die Tochter eines einflussreichen und wohlhabenden Geschäftsführers aus Tudor, einer Wüstenstadt. Sie hat schon früh gelernt, nur das Nötigste zu sagen. Mit zehn Jahren wurde ihr das Sprechen verboten, damit ihre Haut für immer rein bleibt. Sie trägt nur ein einziges Wort auf der Haut und ist somit würdig, den Sohn des Präsidenten zu heiraten. Doch kurz nach ihrer Hochzeit wird sie entführt. Dasselbe passiert Kyle, einem Schmied, der der unteren Gesellschaft angehört und redet, wie es ihm gefällt. Die beiden landen in derselben Zelle und sind ihren Entführern komplett ausgeliefert. Können sie es schaffen, sich zu befreien, obwohl sie sich, aufgrund ihrer  unterschiedlichen Denkweisen, misstrauen? Eine tödliche Reise steht ihnen bevor…

Meinung:

Ich wollte schon immer mal eine Geschichte lesen, die auf dem Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ aufbaut. In diesem Buch habe ich sie gefunden und dazu auch noch mega gut umgesetzt! Die Geschichte ist aus der Sicht von Olive und Kyle geschrieben, die aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommen. Olive ist stolz, voreingenommen, aber mutig. Sie versteht nicht, wie Kyle so unbedacht reden kann, wo doch jedes einzelne Wort auf seiner Haut verewigt wird, und sie beschmutzt. Gegensätzlich dazu, ist es für Kyle unbegreiflich, wie man so starrköpfig und arrogant sein kann. Die grundverschiedenen Ansichten der zwei Charaktere fand ich interessant und wichtig, um die zweigeteilte Gesellschaft besser zu verstehen.

Die gemeinsame Gefangenschaft zwingt Olive und Kyle dazu, sich miteinander zu arrangieren. Sie geben einander Halt, obwohl sie sich zuerst nur gegenseitig anschweigen. Die folgenden Ereignisse jedoch bringen die beiden näher zusammen, und sie merken beide, dass der andere wichtig für sie geworden ist. Das Knistern zwischen den beiden ist richtig schön beschrieben. Ich mochte, dass sich die Beziehung langsam entwickelt hat. Dass auch nicht alles gleich prima läuft, sondern es Schwierigkeiten gibt, die sie zusammen bewältigen und daran wachsen. Langsam fallen Olives Vorbehalte gegenüber den Redenden ab und ihr wird klar, wie ungerecht es in der Gesellschaft zugeht. Ich fand beeindruckend, wie sie auf dieser gefährlichen Reise immer neuen Mut fasst. Sie ist mir mit jedem Kapitel sympathischer geworden.

„Trotz ihres zarten Körperbaus wirkt sie wie ein Sandsturm, der gerade durch die Wüste gefegt ist.“

Olive und Kyle dürfen eigentlich nicht zusammen sein, aufgrund der zwei verschiedenen gesellschaftlichen Klassen. Gemeinsam sind sie aber ein starkes Team, das die Schwächen des anderen akzeptiert und verzeihen kann. Sie sind so ehrlich zueinander und können auch sagen, was sie für den anderen fühlen. Das finde ich einfach besonders, weil in anderen Fantasygeschichten die Liebesgeschichte meistens nur so nebenbei abläuft und nicht die Tiefe erlangt, die ich mir wünschen würde. Hier liegen die Gefühle und Gedanken der Charaktere viel mehr im Fokus und ich kann sie dadurch besser verstehen und ihr Handeln nachvollziehen. Ich habe so sehr mit Olive und Kyle mitgefiebert!

Der Schreibstil der Autorin hat mir auch sehr gefallen. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Die Charaktere und Orte wurden bildlich und detailliert beschrieben, ohne dass es sich in die Länge zog. Die Geschichte war spannend, emotionsgeladen und unvorhersehbar, ich konnte nicht aufhören, zu lesen! Vor jedem Kapitel gab es entweder Auszüge aus dem „Heiligen Wort“, Tagebucheinträge eines Rebellen, oder aber auch Sprichwörter. All das hat für ein besseres Verständnis für die Welt gesorgt. Zudem waren auch ein paar eindrucksvolle Illustrationen zwischen den Seiten versteckt.

„Die Worte, die wir sprechen, erzählen, wer wir waren, zeigen, wer wir sind, und verraten, wer wir sein wollen.“(Verbotenes Sprichwort)

Fazit:

Das Brennen der Stille ist ein starkes Debüt, das mich total gefesselt hat. Die Charaktere und ihre Beziehung sind tiefgründig gestaltet, der Weltenaufbau und die Storyline sind komplex, aber gut durchdacht. Mich konnte die Geschichte sehr begeistern! Ich bin so gespannt, wie es weiter geht und freue mich auf den nächsten Band!

Eure Anouk

Fakten:

TitelDas Brennen der Stille
AutorinSandy Brandt
VerlagVAJONA
Erscheinungsjahr2022
Seitenzahl450
Preis (E-Book)8,99 €
Band1

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