High Fantasy,  Rezension

Kupferblut

Handlung:

Soleyas Traum war es schon immer, Schneiderin am königlichen Hof zu werden. Dieser Wunsch soll wahr werden, als eines Tages plötzlich die Königin des Vier-Länder-Bündnisses höchstpersönlich vor der Familienschneiderei auftaucht und ein Kleid von Soleya gefertigt haben möchte. Soleya schafft es, sie zu beeindrucken und darf nun an den Hof ziehen. In der Hauptstadt Bellonna, in der die Bewohner ihre Gesichter hinter Masken verbergen, glaubt Soleya, glücklich zu werden. Denn auch sie hat etwas zu verbergen. Eine Gabe, die sie Magie in alten Artefakten spüren lässt. Magie, die es eigentlich nicht mehr geben sollte…

Meinung:

Mir fiel der Einstieg in die Geschichte schwer, da mir der Schreibstil etwas gewollt-bildlich vorgekommen ist. Man bekommt gleich zu Anfang sehr viele Eindrücke von Soleyas Leben und der Welt, doch die Sätze sind zu geschachtelt, um sie alle aufzunehmen. Ich musste mich zunächst einmal an den farbigen, poetischen und bildgewaltigen Schreibstil gewöhnen, der, meiner Meinung nach, zwar gut zur Geschichte passt, aber auch den Lesefluss hemmt. Doch wenn man sich darauf einlässt, erwartet einen eine vor Farben, Düften und Magie-quellende Fantasywelt. Ich konnte mir die gemütliche, warme Familienschneiderei, die zauberhaften Kleider und den leuchtenden Herbstwald sehr gut vorstellen. Der Anfang der Geschichte hat mich außerdem an „Ein Kleid aus Seide und Sternen“ erinnert, dadurch, dass Soleya auch ein Kleid für die Königin nähen soll und anschließend die Möglichkeit bekommt, am königlichen Hof zu arbeiten.

Ich fand die Hauptcharaktere Soleya und Aiyana authentisch, da sie beide Stärken, Schwächen und Ängste haben und vor allem eine ausgearbeitete Hintergrundgeschichte. Soleya ist, finde ich, eine selbstsichere aber gleichzeitig unsichere und formbare Person. Einerseits weiß sie, was sie will, andererseits macht sie sich abhängig von anderen Personen und traut sich dann doch nicht, ihr eigenes Ding zu machen. Ihre Charakterentwicklung verläuft sehr langsam, bis man sich am Ende für sie freut, dass sie endlich mal was für sich selbst entscheidet.

Aiyana hat erst etwas später im Buch ihren Auftritt und hat mich mit ihrer taffen und standhaften Art sofort beeindruckt. Doch auch sie hat Ängste und Geheimnisse, die sie zerbrechlich werden lassen. Und diese unterdrückten Gefühle haben es in sich…

Zwischen Soleya und Aiyana entwickelt sich eine ganz zarte Liebe, die einen mitfiebern lässt und einen ruhigen Kontrast zu den düsteren Intrigen im Buch bildet. Die Liebesgeschichte steht nicht im Vordergrund und, dass sie lesbisch ist auch nicht. Die Umsetzung der Liebesgeschichte hat mir sehr gefallen!

So wie mich die Protagonistinnen überzeugen konnten, die Nebencharaktere konnten es nicht. Sie waren für mich langweilig und uninteressant, denn außer ihren Namen wusste ich gefühlt nichts über sie, wie zum Beispiel bei Gwyn und Veris aus der Festung. Wenn sie gestorben wären, hätte es mich, so hart es auch klingt, nicht interessiert. Ich konnte keine emotionale Bindung zu ihnen aufbauen.

Gwyn ist nichtbinär und für sie*ihn wird das Neopronomen „Dey“ und „Deren“ verwendet, was sich von dem englischen Wort „They“ ableitet. Das Wort hat mich anfangs ziemlich irritiert, weil ich mit dem Gebrauch dieses Wortes nicht vertraut war. Irgendwann habe ich mir erschließen können, dass es sich um das Pronomen für Gwyn handelt, dey sich nicht als Mann oder Frau identifiziert. Geschlechterneutrale Bezeichnungen finde ich zwar wichtig, aber ich hätte mir an dieser Stelle eine Heranführung gewünscht, weil man sich sonst ahnungslos fühlt. Das ging mir jedenfalls so, weil mir das Wort einfach nicht bekannt war und es sich in der deutschen Sprache ja auch noch nicht etabliert hat.

Davon mal abgesehen wird Gwyns Geschichte und deren Umgang mit deren sexueller Identität nicht ein einziges Mal thematisiert oder auch nur erwähnt. Plötzlich steht da nur „Dey“ und man kann sich selbst überlegen, was das jetzt heißen soll. Das finde ich ehrlich gesagt schwach von der Autorin. Denn ich finde eine Auseinandersetzung mit diesem Thema ist schon sehr wichtig, gerade, wenn man es einbringt. Deshalb sollte das im zweiten Band auch dringend nachgeholt werden!

Das Magiesystem der Welt hat mir wirklich gut gefallen. Es gibt alte Gottheiten und Legenden über sie, verlorene Artefakte, magische Bücher und kryptische Botschaften. Nicht zu vergessen die Drachen, welche die einzigen verbliebenen Wesen von reiner Magie sind. Durch ein Blutritual werden Drache und Reiter miteinander verbunden und ein Teil der Magie überträgt sich auf den Menschen. Dieses Prinzip, sowie die Beziehung von Drachen und Reiter fand ich sehr interessant. Die unterschiedlichen Drachenarten und ihre magischen Fähigkeiten fand ich ebenfalls superspannend und fantasievoll. Ich mochte auch die fantastischen, eindrucksvollen Beschreibungen ihres Aussehens und ihrer Kraft beim Kämpfen und Jagen.

Aber leider gab es beim Weltenaufbau ebenso kleine Schwachstellen. Mir fehlten oft Hintergrundinformationen oder Zusammenhänge zu Begebenheiten, die den Charakteren im Buch irgendwie klar waren, mir, der Leserin aber nicht. In der Leserunde auf Lovelybooks konnte ich Lea Diamandis direkt fragen, wenn ich etwas nicht verstand, und sie hat mir plausible Antworten gegeben. Deswegen finde ich schade, dass sie diese Unklarheiten nicht im Buch weiter ausgeführt und geklärt hat…

Das Ende hat viel für mich herausgerissen und ist der hauptsächliche Grund, weshalb ich den zweiten Band lesen möchte. Es hat mir mega gut gefallen! Ich habe selten ein Buch gelesen, dass mit so einem guten und cleveren Twist geendet hat. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht!

Das Blutmeer färbt sich im tiefen Blauviolett des herannahenden Regens, als hätte jemand ein Tintenfass über den Wellen ausgekippt. Das Rauschen der Wellen und des Windes wird bedrohlicher. Doch mit Aiyanas Kopf auf meiner Schulter und ihrer Hand in meiner überstehe ich jeden Herbststurm.

Fazit:

Kupferblut ist eine charakterbezogene Geschichte mit vielen kreativen Ideen, aber auch mehreren Schwächen. Das Magiesystem und das Ende fand ich besonders einfallsreich und spannend. Eine Empfehlung für alle Drachenfans und alle, die „Ein Kleid aus Seide und Sternen“ mochten.

Fakten:

TitelKupferblut-Gezeichnete der Dunkelheit
Autorin Lea Diamandis
VerlagDunkelstern
Erscheinungsjahr2022
Seitenzahl360
Preis15 € (Taschenbuch)
Band1

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.