Dystopie,  Rezension

Die Tribute von Panem – Flammender Zorn

Achtung Spoileralarm! Alle, die den zweiten Band der Tribute von Panem noch nicht beendet haben, sollten diese Rezension auf gar keinen Fall lesen!

Handlung:

Ganz knapp hat Katniss es geschafft, der Arena zu entfliehen. Gemeinsam mit Gale harrt sie nun in Distrikt 13 aus, dessen Bewohner mit den aufständischen Rebellen kooperieren. Alle Hoffnung ist nun auf Katniss Person begründet. Sie soll sich zum Spotttölpel verwandeln, als Gesicht der Rebellion die Menschen zum Aufstand gegen das Kapitol bewegen. Notgedrungen nimmt Katniss diese Rolle an, wenn auch sie sich alles andere als bereit dafür fühlt. Sie leidet noch immer unter ihren Verletzungen, doch am meisten quält sie die Sorge um Peeta. Anders als sie wurde er nicht von Haymitch und Plutarch aus der Arena befreit, befindet sich nun in den grausamen Fängen des Kapitols. Nicht selten wünscht Katniss sich, dass er von den Rebellen gerettet worden wäre, nun mit seiner überragenden Rhetorik den Widerstand anführt.

Diese Selbstzweifel machen die Situation nicht besser und trotzdem lähmen sie Katniss bei jeder Handlung. Dabei soll sie es sein, die den Bürgern von Distrikt 13 Mut macht, Stärke und Entschlossenheit repräsentiert. Währenddessen läuft die Propagandamaschinerie der Rebellen auf Hochtouren. Mit eindringlichen Spots im Staatsfernsehen sollen die Menschen in allen Distrikten mobilisiert werden, sich gegen das Regime erheben. Doch jeder Distrikt, der sich dem Kapitol entgegenstellt, muss das unmittelbar mit Blut und Zerstörung bezahlen. Immer mehr Distrikte versinken im Bombenhagel, Präsident Snow führt Krieg gegen die eigene Bevölkerung.

Auch Distrikt 13 bangt immer mehr, auch sie bleiben von den Angriffen nicht verschont. Die Rebellen sehen nur noch eine Möglichkeit: In das Kapitol einzumarschieren. Doch um welchen Preis? Je mehr der Krieg wütet, desto mehr stellt sich für Katniss die Frage, ob sie überhaupt auf der richtigen Seite steht. Denn wird Coin, die Präsidentin von Distrikt 13, ihre Versprechungen halten? Oder spielt sie ihr eigenes Spiel mit den Rebellen? In Angst und Zweifel bleibt Katniss keine Wahl. Sie muss ein letztes Mal in die Arena. Die Arena um das Kapitol, wo Präsident Snow sie schon erwartet…

Meinung:

Nachdem Band 2 in großem Chaos geendet und mich mit viel Verwirrung zurückgelassen hatte, konnte mich „Flammender Zorn“ von der ersten Seite an in seinen Bann ziehen. Doch anstatt einer großen Auflösung folgt zunächst eine ganz andere Szene. Katniss, wie sie in ihrem alten Heimatdistrikt steht – aufrecht, und doch emotional am Boden. Ein beklemmender Auftakt, der doch alles widerspiegelt, was dieses Finale verkörpert: Zwiespalt. Da ist die Freude, den Fängen der Arena entronnen zu sein, begleitet von unbeschreiblicher Furcht um den einen, der zurückgelassen wurde: Peeta. Denn auch wenn sich Katniss ihren Gefühlen gegenüber dem Bäckersjungen immer noch nicht im Klaren ist, spürt sie jetzt, wie sehr er ihr fehlt. Er war es schließlich, der sie auffing, wenn sie zu stolpern drohte, stets an ihrer Seite blieb, egal, wie sehr sie ihn verletzt hatte. Nun ist er unendlich weit weg, ausgeliefert der Grausamkeit des Kapitols, das keine Gnade mit den Rebellen kennt. Diese Erkenntnis drückt Katniss nieder und hilft ihr gleichzeitig, nicht aufzugeben. Egal wie sehr sie an einem Sieg der Rebellen zweifelt, Coins Versprechungen infrage stellt, sie hat nur ein Ziel vor Augen: Die zu schützen, die sie liebt, nicht noch einmal jemanden unwiederbringlich an das Kapitol zu verlieren.

Es hat geschmerzt, Katniss so zerrissen zu erleben und doch konnte ich all ihre widersprüchlichen Gefühle nachvollziehen. Schließlich weiß sie besser als jeder andere, dass die Zukunft Panems von ihrem Handeln abhängt. Es ist eine Last, die sie noch nicht bereit ist zu tragen, doch darauf nehmen weder Haymitch und Plutarch, noch Coin Rücksicht. Immer mehr wird Katniss zu einem Werkzeug in ihren Plänen. Das hat mich wirklich wütend gemacht, denn wer musste denn zwei Mal (!) dem Tod in der Arena ins Auge blicken?! Nicht Plutarch, nicht Coin – Katniss! Andererseits rennt den Rebellen die Zeit davon. Das Kapitol beantwortet jede ihrer Handlungen mit steigender Aggression, das Leid der Zivilbevölkerung explodiert. Ihr Leid wird zur Währung des Krieges. Und die Preise steigen und steigen.

In diesem Band steht die Dreiecksbeziehung zwischen Peeta, Gale und Katniss weniger im Vordergrund. Stattdessen legt Susan Collins den Fokus auf die Propagandamaschinerie der beiden Parteien. Die Macht über die Medien soll dazu genutzt werden, mit verschiedenen Spots die Bevölkerung auf die eigene Seite zu ziehen. Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie viel Einfluss die Rebellen und das Kapitol dadurch hatten und wie zentral die Rolle der „Berichterstattung“ war. Trotzdem ist der Krieg zwischen Kapitol und Rebellen weitaus mehr, als ein Krieg in den Medien. Die Bombardements und spätestens der Einmarsch der Rebellen ins Kapitol lassen einen das ganze Ausmaß der Konfrontation wahrnehmen. Im Buch wird davon gesprochen, dass diesmal das Kapitol die Arena ist. Und so erreicht die Grausamkeit der Hungerspiele neue Höhepunkte. Manchmal waren mir die Kämpfe und all das Leid durch Susanne Collins detaillierten Schreibstil fast zu eindrücklich beschrieben. Ich wäre deshalb sehr vorsichtig, „Flammender Zorn“ noch als Jugendbuch zu bezeichnen.

Die erste Hälfte des Buches spielt sich größtenteils in Distrikt 13 ab. Schon seit dem ersten Band hatte ich gerätselt, ob es den Ort wirklich noch gibt und wenn ja, wie er nur aussehen mag. Ich hatte wirklich mit fast allem gerechnet, nicht jedoch mit einer riesigen unterirdischen Stadt. Über mehrere Stockwerke erstreckt sich das Bauwerk in die Tiefen des Bodens, umgeben von starken Felswänden. Ressourcen sind rar, das Essen ist genaustens nach Körpergewicht, Größe und Alter rationiert. Morgens bekommt jeder einen Stempel auf den Arm, welcher den individuellen Tagesplan auf der Haut notiert. Nichts, wirklich gar nichts, unterliegt in dieser Stadt dem Zufall. Das System spiegelt eins zu eins den berechnenden Charakter der Präsidentin Coin wider. Immer wieder weckte sie mit ihren Vorstellungen und Ideen mein Misstrauen und nicht nur meins. Doch welches Ziel sie wirklich verfolgt, wird man erst am Ende erfahren…

Fazit:

Flammender Zorn ist ein packendes wenn auch grausames Finale der Tribute von Panem. Die reinste Achterbahn der Gefühle, die selbst im Epilog nur holpernd zum stehen kommt. Susanne Collins hat mit ihren Büchern einen Meilenstein in der Fantasyliteratur gelegt. Nun kann ich es kaum erwarten, wie dieses Universum auf der Leinwand umgesetzt wird.

Fakten:

TitelDie Tribute von Panem – Flammender Zorn
AutorinSusanne Collins
VerlagOetinger
Erscheinungsjahr2011
Seitenzahl428
Band3
Preis24 €

Eure Jasmina

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