Rezension,  Urban Fantasy

Die Stadt der besonderen Kinder

Spoiler-Alarm für alle die den 1. Band nicht gelesen haben. Meine Rezension zu „Die Insel der besonderen Kinder“ findet ihr unter Urban Fantasy.

Handlung:

Nur mit Müh und Not haben Jacob und die besonderen Kinder es geschafft, vor den Whights zu fliehen. Doch das Meer gibt den Kindern keinesfalls das Gefühl von Wärme und Weite. Vielmehr spiegelt sich in seinen Wogen Angst und Sorge wider vor dem, was sie am Ufer erwarten wird. Da Miss Peregrine sich nicht mehr in ihre Menschengestalt zurückverwandeln kann, klammern sich die besonderen Kinder an ihr Ziel, eine Ymbre zu finden, die ihr helfen kann. Getrieben von Hoffnung treten sie die lange Reise in das vom Krieg gezeichnete London an. Doch dieser Weg ist keinesfalls ohne Gefahr und auch die Trümmer der zerbombten Stadt sind weit entfernt von einem sicheren Zufluchtsort. Währenddessen läuft ihnen die Zeit immer weiter davon. Wenn sie ihre Headmistress nicht innerhalb weniger Tage retten können, wird sie für immer in ihrer Vogelgestalt gefangen sein. Die Bewältigung der Aufgabe erscheint mehr und mehr unmöglich. Sie brauchen Verbündete aber wer handelt aus ehrlicher Absicht? Zwischen Bomben und Krieg müssen die besonderen Kinder feststellen, dass sie bald niemandem mehr trauen können, denn der Verräter sitzt in den eigenen Reihen…

Meinung:

Schon „Die Insel der besonderen Kinder“ hat mich mit seinem Ideenreichtum und den großartigen Charakteren begeistern können. Die Insel Cairnholm bot eine geheimnisvolle und düstere Kulisse, deren Potential der Autor bis zur letzten Seite ausgeschöpft hat. Mit der phantastischen Fortsetzung bricht Ransom Riggs mit der Flucht der besonderen Kinder Raum und Zeit und führt seine Geschichte in der düsteren Realität des zweiten Weltkrieges fort. Es sind ungeahnte Herausforderungen, die auf die besonderen Kinder zukommen, einmal mehr müssen sie Mut, Kreativität, aber vor allem Zusammenhalt beweisen. Ich habe sie für ihre Vielschichtigkeit und ihre Tiefe bewundert, ihre Unerschrockenheit und ihr Ehrgeiz haben sie zu wahren Helden*innen gemacht. Einzig Enoch wurde mir Seite für Seite immer unsympathischer. Seine Gedanken über die „Normaler“ und die Auffassung, dass die Besonderen tausendfach so viel Wert seinen, wie einer von ihnen, haben mich schockiert und unglaublich wütend gemacht. Und doch täuscht die starke Fassade der anderen Charaktere nicht über ihr verzweifeltes Gemüt hinweg. Die vielen Konfrontationen und nicht zuletzt der zweite Weltkrieg geht nicht spurlos an ihnen vorüber. Plötzlich müssen sie aus ihrer kindlichen Rolle hinauswachsen, handeln in einer Welt, in der sie nicht durch Zeitschleifen und eine Headmistress vor Gefahren behütet werden. Sie gehen diesen Weg gemeinsam, Hand in Hand, unter den Augen einer Lesenden, die mehr und mehr von der Wortgewalt berührt wird. Auch Jacob macht seine eigene Entwicklung durch. Von dem etwas linkisch und ängstlichen Jugendlichen ist am Ende dieses Werkes nicht mehr viel übrig. Genau wie die anderen beweist er Mut und Stärke, stellt sich seiner Verantwortung, die ihm mit seiner Gabe auferlegt wurde. Und doch kann er nicht gänzlich mit der Vergangenheit abschließen. Lange gibt er sich der naiven Vorstellung hin, eines Tages in sein normales Leben zurückkehren zu können. Dabei übersieht er, dass es dieses nie gab. Die Welt der Besonderen braucht ihn dringender den je und Jacob lernt, auf die Stimme seines Herzens zu hören.

Ransom Riggs detaillierter Schreibstil hat mich wieder einmal gefesselt und wirklich begeistert. Er entführte mich in das zerbombte London und hat den zweiten Weltkrieg für den Lesenden greifbar gemacht. Mit einer unglaublichen Wortgewalt hat er die Szenerie gezeichnet und die bedrückende Atmosphäre über die Sätze und Kapitel ausgebreitet. Es ist beeindruckend, wie Ransom Riggs seine Kulissen nutzt, um die Gefühle und Ängste der Protagonisten bildlich darzustellen, immer wieder habe ich neue Symbole und Interpretationen zwischen den Zeilen entdeckt. Dabei hält er stets die Balance zwischen Realität und Fiktion, ohne die geschichtlichen Hintergründe der NS-Zeit zu verharmlosen. Dieser Roman lässt sie Einzug finden an jenem Ort, wo sie ankommen sollen: In den Gedanken der Lesenden.

Neben den sprachlichen Bildern haben auch in der zweiten Taschenbuchausgabe Fotografien das Werk mit düsterem Charme bereichert. Besonders jene aus dem kriegsgezeichneten London waren unglaublich ausdrucksstark und emotional aufgeladen. Sie haben mich eingeladen zwischen den Seiten zu verweilen und sie in das Mosaik aus Darstellung und Wort zu setzen. Es ist immer wieder beeindruckend, dass es sich dabei um echte Aufnahmen handelt, ich danke den vielen Menschen, die diese Fotos und ihre Geschichten vor dem Vergessen bewahren.

„Das Lachen macht schreckliche Dinge nicht schlimmer, genau so wenig, wie sie durch Weinen besser werden. Es bedeutet doch nicht, dass es dir egal ist oder, dass du schon vergessen hast. Es bedeutet nur, dass du menschlich bist.“

Fazit:

Die Stadt der besonderen Kinder ist eine fantastische Fortsetzung, voll von Spannung, Ideen und vielschichtigen Charakteren. Ich kann sie euch wirklich nur ans Herz legen und euch einladen, die besonderen Kinder auch bei ihrem zweiten Abenteuer zu begleiten.

Fakten:

TitelDie Stadt der besonderen Kinder
AutorRansom Riggs
VerlagKnaur
Erscheinungsjahr2016
Seitenzahl480
Band2
Preis14,99 €

Eure Jasmina

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